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Zigeunernamen

Wenn hier entgegen der politischen Korrektheit der Einfachheit halber von Zigeunernamen die Rede sein wird, dann möge dies entschuldigt werden. Zigeunernamen gilt als Begriff mit historischer Funktion. Wie Vornamen, Spitz- oder Kosenamen wurden und werden Zigeunernamen als ethnie-spezifisch vergeben. Sinti und Roma geben seit Generationen ihren Kindern traditionelle Zigeunernamen – gewissermaßen als gesellschaftliche Abgrenzung. In einem regulären Namensregister wurden Zigeunernamen nur selten notiert. Daher gab es in reglementierten Epochen, wie z. B. während des NS-Regimes, spezielle Aktionen der Personenerfassungen, um Sinti und Roma mit ihren Zigeunernamen zu fixieren. In diesem Fall wurden die Zigeunernamen aus Kontroll-Gründen aufgezeichnet.

Den Zigeunernamen “Django” gebrauchen Sinti und Roma als eine Version für Johannes. So erhält z. B. ein Josef den Zigeunernamen Joschka. Weitere typische Zigeunernamen als Vornamen sind beispielsweise Namen wie Herzi, Herzo, Ferko, Finko, Bubel oder Bitschi. Die Bedeutung vieler Zigeunernamen gilt als geheim. So sollen die Namen eine magische Wirkkraft für den Namensträger besitzen. Viele Zigeunernamen haben einen Bezug zum Christentum. Unter Sinti und Roma ist eine ausgeprägte Marien-Verehrung weit verbreitet.

Auch als Familiennamen haben einige Zigeunernamen ihre Besonderheit. So ist z. B. mit Köhler ein besonders virtuoser Geiger gemeint. Unter Sinti und Roma ist es gebräuchlich, ihre Familien verschiedenen Stämmen zuzuordnen, was sich wiederum in den Familiennamen äußert. So gelten die Zigeunernamen Kelderara sowie Lovara/Lowara für zwei verschiedene Stämme, die sich jeweils mit verschiedenen Berufen verknüpfen lassen. Familienmitglieder der Kelderara haben in früheren Zeiten einmal als Bärenführer ihr Brot verdient. Der Stamm der Lovara/Lowara arbeitete demgegenüber als Pferdehändler.

Der bekannte Wiener Sänger, Gitarrist und Autor Johann Mongo Stojka, der lange Zeit nach den NS-Gräueln unfähig war, zu sprechen, hat in seinen Lebenserinnerungen “Papierene Kinder” die Geschichte seines Stammes, der Lovaras, erzählt. Das NS-Regime hatte sich besonders durch die exakte Registrierung der Zigeunernamen bemüht, sämtliche Sinti und Roma zu erfassen und sie ihrer Vernichtungsmaschinerie zuzuführen.